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Marieke Schroeder – Regisseurin mit New York-Faible

Regisseurin Marieke Schroeder hat mit Bar-Legende Charles Schumann eine filmische Reise durch einige der besten Bars der Welt unternommen. Nach der Premiere am vergangenen Wochenende in München startet „Schumanns Bargespräche“ heute deutschlandweit in den Kinos. Ein Großteil des Streifens spielt in New Yorker Bars, von denen die Filmemacherin im Interview schwärmt.


Marieke, gerade kommt Dein Film „Schumanns Bargespräche“ mit dem Münchner Bar-Urgestein Charles Schumann in die deutschen Kinos. Ihr habt viel in New York gedreht, wart auch in Bars in Havanna, Tokio, Berlin und Paris. Wo gab es denn Deiner Meinung nach die besten Bars?

Marieke Schroeder: Charles hat es ja in Berlin am besten gefallen, mein Favorit ist aber eindeutig New York und die dortige Barszene.

Was macht New York für Dich so besonders?

Zunächst einmal habe ich eine ganze Weile in New York studiert. Da hatte ich Gelegenheit, die Stadt kennen und lieben zu lernen, wie man so schön sagt. Ich mag Amerika einfach, auch wenn man New York nicht mit dem Rest Amerikas vergleichen kann.

Warum ist die Barszene dort so einzigartig?

Ich finde die Bars in New York sind bedingungslos professionell geführt. Dazu bieten sie einen tollen Service und finden dabei eine gute Mischung zwischen Servieren und Bedienen, also den Gast überaus höflich zu betreuen, ohne dass es aber zu unterwürfig wäre. Gerade im „Employees Only“ gibt es tolle Angestellte. Da kann man jederzeit hinkommen und sich einfach wohlfühlen. Die New Yorker Hotel-Bars sind eine weitere Gattung, die ihresgleichen suchen. Die Atmosphäre dort ist einzigartig, man ist losgelöst von allem, was am Tag passiert und die Realität ist weit weg. An der New Yorker Barszene kann man außerdem die Zeitgeschichte ein Stück weit nachvollziehen. Nimmt man die Prohibition, eine sehr einschneidende Zeit, die die Speak Easys – versteckte Bars in Hinterzimmern – hervorbrachte. Oder die 90er Jahre, als die Barszene unglaublich technisiert war. Mit gläsernen Toiletten, die sich automatisch verdunkelten, wenn man den Schlüssel umgedreht hat. In unsicheren Zeiten wie heute sind die vielen kleinen Nachbarschaftsbars unheimlich beliebt und es entstehen ständig neue davon. Man braucht offenbar wieder einen Ort zum Einigeln, einen, an dem man den Barkeeper und die anderen Gäste kennt. Die Barszene ist gewissermaßen also immer auch Spiegel der Gesellschaft.

Szene aus “Schumanns Bargespräche”: Charles Schumann im Employees Only (Copyright: Niv Abootalebi)

Wer hat denn die Bars ausgesucht, die im Film vorkommen? In New York sind es unter anderem das angesprochene „Employees Only“ und „The Dead Rabbit“…

Das geschah nach ganz subjektiven Kriterien. Wir haben zusammen überlegt, wo wir hingehen möchten. Natürlich hätten wir der Vollständigkeit halber noch viele andere Bars in New York und weltweit besuchen müssen, aber irgendwie muss man die Auswahl ja beschränken.

Wie war es, mit Charles Schumann zu arbeiten?

Zunächst einmal musste ich ihn lange bearbeiten, bis ich ihn überhaupt soweit hatte, den Film zu machen. Und während des Drehs habe ich dann festgestellt, dass er Humor hat (lacht). Nein, im Ernst, es hat mich tief beeindruckt, wie bekannt er in der Barszene weltweit ist. Unzählige Barkeeper berufen sich auf sein Buch „American Bar“ und im noch so entlegensten Ort kommen Leute auf ihn zu und sagen ihm, wie toll sie den Besuch in seiner „Schumann’s Bar“ in München fanden.

Er kocht ja auch gut, ist vor allem für die Bratkartoffeln in seiner Bar berühmt. Was habt ihr euch in New York zum Essen ausgesucht, sprich: Welche Restaurants kannst Du dort empfehlen?

Ich mag das Eleven Madison Park sehr und mochte auch das alte Four Seasons Restaurant. Heute gehe ich gerne zu den kleinen koreanischen Restaurants in Nolita (= North of Little Italy, Anm. d. Red.). Aber auch beim Thema Essen in New York gilt: Die Vielfalt ist einzigartig und es wird in jedem Bereich Wert auf Professionalität gelegt. Am besten ist es aber, wenn man gute Läden wie den „Spice Market“ gleich dann entdeckt, wenn sie neu aufmachen. In ihren frühen Phasen sind sie oft am besten.

Hier findet ihr mehr Informationen zu Schumanns Bargespräche