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Eagle Street Rooftop Farm – Bio-Gemüse mit Aussicht

Auf der Eagle Street Rooftop Farm wächst vitaminreiches Grünzeug mit bester Aussicht auf Empire State und Chrysler Building. Wir haben der Dachfarm einen Besuch abgestattet und viel dazugelernt.

Urban Farming ist in New York inzwischen fast so weit verbreitet, wie Wolkenkratzer in Manhattan. Bienenvölker produzieren Honig auf Hoteldächern, Restaurants bauen sich ihr Gemüse immer öfter selbst an, Weinreben werden auf Lagerhallen gepflanzt und sogar koscheres Meersalz wurde hier bereits auf dem Dach gewonnen. Solche Dachfarmen stechen aus der Masse heraus. Eine davon ist auch die Eagle Street Rooftop Farm, die ich gemeinsam mit Graciela Cucchiara von der Münchner Kochgarage besucht habe. Die quirlige Gastronomin plant, auf ihrer Eventlocation in der Münchner Innenstadt ebenfalls einen solchen Dachgarten einzurichten, um Gemüse und Kräuter für ihre Veranstaltungen selbst anbauen zu können. Nach Bio-Kriterien, versteht sich.

Graciela im Gespräch mit Patrick
Graciela im Gespräch mit Patrick

Patrick ist einer derjenigen, die die Beete hier oben im Brooklyner Viertel Greenpoint in freiwilliger Arbeit bestellen. Wir treffen ihn an einem schönen Tag im beginnenden Sommer auf dem 550 Quadratmeter großen Gelände auf dem Dach eines alten Backsteingebäudes. Die jungen Pflänzchen sprießen gerade frisch aus dem Boden, andere wiederum werden während unseres Besuchs erst eingepflanzt. Verkauft wird später alles hier im Norden Brooklyns. Entweder auf dem wöchentlichen Bauernmarkt, oder aber an die Restaurants der Umgebung. Diese wiederum stellen der Dachfarm ihren Kompost zur Verfügung – für den natürlichen Dünger ist dadurch immer gesorgt. Die  Erlöse der Verkäufe fließen schließlich in den Erhalt der Farm.

Farm to Table – direkt auf der Dachfarm

Ein besseres Anschauungsobjekt als jenes hier in der Eagle Street, hätten wir für Gracielas Zwecke kaum finden können. Bereits seit 2009 wird hier über dem dritten Stock des alten Lagerhauses komplett nach Bio-Standard Gemüse gezüchtet. Durch die wechselnde Bepflanzung der einzelnen Beete und den Kompost kann auf künstlichen Dünger verzichtet werden. Der Boden erholt sich von alleine und wird durch die unterschiedlichen Nutzpflanzen zusätzlich mit Nährstoffen versorgt. Doch was wächst überhaupt hier oben? „Eigentlich alles“, erklärt uns Patrick und fährt fort: „Von Kräutern aller Art über Chili, Salat und Erbsen bis hin zum Grünkohl.“ Einen kleinen Hühnerstall und Bienen gibt es auch. Ein kleines Ökoystem für sich mit der Idee, den Menschen wieder näher an sein Essen heranzubringen. So veranstaltet man regelmäßig Workshops für interessierte New Yorker, kocht mit ihnen das frische Gemüse direkt vor Ort. Vor allem aber werden hier immer wieder Schulklassen empfangen und den Kindern die wichtigsten Grundlagen einer gesunden Ernährung vermittelt. Eine Idee, die auch Graciela in der Kochgarage übernehmen will.

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Annie Novak – Pionierin auf dem Dach

Patrick, bezeichnenderweise Lehrer von Beruf, kommt mehrmals die Woche hier hoch. Hier gewinne er Abstand vom Großstadtleben, sagt er: „obwohl diese hier doch immer allgegenwärtig ist“. Ein Blick über den East River genügt, um die steinernen Wahrzeichen New Yorks in greifbarer Nähe zu haben. Leiterin des Projekts in der Eagle Street und gewissermaßen seine Chefin ist Annie Novak. Sie gilt als Urban Farming-Pionierin, hat inzwischen bereits mehrere Bücher verfasst und ist bei unserem Besuch bei einem Gärtner-Kongress in Massachusetts. Mit ihrem „The Rooftop Growning Guide“ legte sie ein Standardwerk vor, das sie zur gefragten Rednerin machte und das auch Graciela sich bereits zugelegt hat, um die Grundlagen des urbanen Gärtnerns kennenzulernen.

Patrick hingegen stillt unseren Wissensdurst bereits vor Ort: „Die Erdschicht inklusive der Drainage ist nur zehn bis zwölf Zentimeter hoch. Zudem verwenden wir hier eine recht leichte Erdmischung mit kleinen Steinchen darin, die das Wasser zwar gut aufnimmt, es aber auch ablaufen lässt, sobald es zu viel regnet. So kann es nicht zu Überflutungen kommen. Diese Erde wurde auch schon in herkömmlichen Dachgärten genutzt. Bevor damit begonnen wurde, Gemüse auf dem Dach anzubauen. Und die Erde auf dem Dach hat noch weitere Vorteile: Sie isoliert auf ganz natürliche Art und Weise. In den Räumen darunter bleibt es im Sommer schön kühl und im Winter verliert ein Flachdach dadurch wesentlich weniger Wärme. Das spart viel Energie.“

Modell für die Zukunft

So kommt das Dach dann auch den Besitzern darunter zu Gute. Das Gebäude gehört der Filmproduktionsfirma Broadway Stages, die die gesamte Rooftop Farm hier finanziert hat. Ein Modell, das Zukunft in unserer zunehmend urbanisierten Welt hat, schließlich gibt es genügend Flächen, die auch im städtischen Umfeld bewirtschaftet werden können. Der zusätzliche Vorteil, dass Städter dadurch vermehrt auf regionale, ja sogar lokale Produkte zurückgreifen könnten, liegt auf der Hand.

Und so blicken auch wir noch einmal über den East River hinüber auf die Betonkulisse Manhattans bevor wir gehen. Dorthin, wo uns nach der Ruhe der Dachfarm gleich wieder die pulsierende Metropole mit all ihrem Trubel erwartet. Ein bisschen können wir Patrick auf seiner grünen Insel hier oben verstehen, obwohl wir ja eigentlich auch wegen all des Trubels überhaupt nach New York gekommen waren.

Mit angepackt: Derk beim Gärtnern
Mit angepackt: Derk beim Gärtnern

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Hier findet ihr die Eagle Street Rooftop Farm

www.rooftopfarms.org

Hier geht es zum Saisonkalender Gemüse