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Corona in New York – Ist Restaurant-Alltag wieder möglich?

Die Corona-Krise hat New York City bis ins Mark getroffen. Keine andere US-Metropole hat gegenwärtig mehr Infektionen und Todesopfer zu beklagen. Die traurigen Bilder in den Nachrichtensendungen zeigten die Wucht, mit dem der Virus den Big Apple traf. Ob und wie eine Rückkehr in ein geregeltes Leben in der Weltstadt und vor allem in der dortigen Gastronomie-Branche gelingen kann, verrät unser Lagebericht von Helge Wasmuth.

Bilder: ©Helge Wasmuth

Corona ist inzwischen Alltag, so traurig das auch klingt. Auch in New York City – der Stadt, die so hart wie keine andere von der Pandemie betroffen ist und sich drei Monate in einen umfassenden Lockdown befand. Seit Montag, 22. Juni 2020, befindet sich die Stadt nun in Phase 2 nach dem Lockdown, was neue Erleichterungen für Restaurants wie Essen im Freien, aber eben auch neue Risiken mit sich bringt. Risiken deshalb, weil sich die New Yorker nach dieser extremen Ausnahmesituation nach Freiheit sehnen. Nach Treffen mit Freunden, unbeschwerter Zeit, ohne an Krankheit, Tod und eventuelle Existenzängste denken zu müssen. Eine Sehnsucht die sogar so groß ist, dass viele dabei offenbar die Gefährlichkeit des Virus vergessen oder verdrängen: Schon seit zwei Wochen wirkt es nämlich, als würde sich die Stadt schon längst in Phase 2 oder gar Phase 3 befinden. Die Bars hatten geöffnet, Cocktails wurden im Freien und „to go“ ausgeschenkt, und das Treiben erinnerte in manchen Gegenden eher an Straßenfeste und nicht etwa daran, als ob wir uns noch immer inmitten einer Pandemie befinden.

Corona in New York

In den Monaten zuvor befand New York sich jedoch im kompletten Lockdown. Die Straßen waren menschenleer, die Atmosphäre in den Hochhausschluchten apokalyptisch. Passend zu den traurigen Bildern in den Nachrichten. Bildern aus den Krankenhäusern und Kliniken der Stadt. Zu den Bildern von Kühltrucks, in denen Corona-Opfer gelagert werden mussten, bis die Bestattungsunternehmen wieder Kapazitäten für die Opfer hatten. Wenn man dann doch mal jemanden auf der Straße traf, ging man sich lieber großräumig aus dem Weg, insbesondere wenn derjenige keine Maske trug.

New York Lockdown
New York im Corona-Lockdown: Selbst das sonst so belebte Village war wie ausgestorben

Aber New York wäre nicht New York, wenn nicht von Anfang an kreative Wege gefunden worden wären, mit dem Lockdown umzugehen. Denn auch wenn die Cafés, Bars und Restaurants ihre Gasträume schließen mussten, Take-out, Delivery und Pick-up wurde von vielen Gastro-Betrieben von Anfang an umgesetzt. So haben es sich viele von uns, die während des Lockdowns in der Stadt geblieben sind, schon bald zur Gewohnheit gemacht, den einzigen Spaziergang des Tages mit einem Besuch des Liebelingscafés zu verbinden. Und das nicht nur, um endlich den heißgeliebten und maßlos überteuerten Iced Cold Brew Latte Macchiato samt eines Blueberry Muffins „to go“ zu genießen, sondern auch, um eben dieses Local Business in der Hoffnung zu unterstützen, dass es auch nach der Pandemie weiterhin noch diesen Cold Brew anbieten kann.

Das galt und gilt natürlich auch für das Lieblingsrestaurant um die Ecke, das typische „Neigbhorhood Gem“. Zwar hat so mancher New Yorker sich während des Lockdowns auch zeitaufwendigen und natürlich sorgsam auf Instagram dokumentierten Küchen- und Brotbackprojekten in den eigenen vier Wänden gewidmet. Andere haben wiederum festgestellt, dass kochen so viel mehr bedeuten kann, als ein Fertigglas Tomatensauce zu erhitzen. Auf die Lieferung des Lieblingsrestaurants ein- bis zweimal pro Woche haben viele von uns dennoch weiterhin zurückgegriffen. Das aber ausnahmsweise nicht nur aufgrund von Bequemlichkeit, sondern auch in der Hoffnung, dem eigenen Lieblingsladen so das Überleben zu sichern.

Corona in New York
Menschenleere Avenues und der Touristenmagnet Brooklyn Bridge

Phase 2 in New York.

Und jetzt also ganz offiziell Phase 2 und Outdoor Dining. Das sieht zunächst einmal sehr interessant aus, da es so etwas in New York City bisher kaum gab. Als ich heute beispielsweise durch Greenwich Village und SoHo geradelt bin, konnte ich auch sehen, wie viel Mühe sich jeder Restaurant-Betreiber dabei gibt. Alleine ob all das etwas bringt, ist fraglich. Schon jetzt wird gemutmaßt, dass mindestens 50 Prozent der vor der Corona-Pandemie existierenden Restaurants erst gar nicht wieder öffnen werden oder wenn dann nur noch kurz überleben können. Darunter sind auch erfolgreiche Restaurants, wie das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete vegetarische Restaurant NIX oder die New Yorker Restaurant-Legende Prune von Gabrielle Hamilton.

Corona in New York
Restaurants erobern die New Yorker Straßen

Denn auch wenn das jetzt erlaubte Outdoor Dining für den Moment natürlich interessant ist und es dadurch nach drei Monaten Lockdown nun endlich wieder die Möglichkeit gibt, überhaupt essen zu gehen, wird das für die Gastro-Betriebe höchstwahrscheinlich nicht gewinnbringend genug sein. In New York wollen horrenden Mietkosten abgedeckt werden, hinzukommen wie überall die Ausgaben für Personal und Zutaten. Und was, wenn der Herbst und mit ihm kühlere Temperaturen kommen? Die Angst vor einer zweiten Corona-Welle geht auch hier um. Wer von uns wird wirklich freiwillig in ein Restaurant gehen, am Ende noch mit Wartezeiten vor der Tür verbunden und umgeben von vermutlich viel zu vielen Menschen? Die große Nachfrage, die die New Yorker Restaurant-Szene immer zu etwas besonderem gemacht hat, wird jetzt für viele ein No-Go sein. Und wer will schon 200 US-Dollar pro Person für Fine Dining in einem Ambiente ausgeben, das unentwegt an die Pandemie und die zugehörigen Bilder erinnert und alles andere als entspannend ist?

Wie wird die New Yorker Restaurantszene nach der Pandemie also aussehen?

Was auch immer in New York geschieht, es geht immer weiter. So wie sich die Stadt nach den schrecklichen Terroranschlägen vom 11. September 2001 und nach Hurrikane Sandy im Jahr 2012 wieder aufgerappelt hat, so wird es zweifelsohne auch dieses Mal sein. Die Stadt und mit ihr auch ihre Restaurants wird sich neu erfinden – neu erfinden müssen. Und vielleicht wird dabei sogar so manch unangenehme Begleiterscheinung eines Restaurant-Besuchs in New York City verschwinden. Ich für meinen Teil kann zumindest darauf verzichten, eine Stunde auf einen Tisch zum Brunchen zu warten oder für einen Cronut ab morgens um fünf Uhr Schlange zu stehen.

Worauf ich mich jedoch wirklich freue, ist endlich wieder einen dieser überteuerten Kaffees, vielleicht sogar einen Iced Cold Brew Latte Macchiatto, entspannt in meinem Lieblingscafé zu genießen. Und irgendwann wird auch das wieder möglich sein.

 

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